Fahreignungsseminar (FES) und Punkteabbau

Fahreignungsseminar (FES) und Punkteabbau

Zu viele Punkte in Flensburg? Gravierende Verkehrsverstöße innerhalb der Probezeit? Die Gründe für ein Aufbauseminar und den erhofften Punkteabbau können ganz unterschiedlich sein und doch haben sie alle eines gemeinsam: Bei keinem Autofahrer führen diese Begriffe wirklich zu Freudensprüngen. Und das obwohl der Begriff Aufbauseminar (ASP) in den letzten Jahrzenten eine rege Wandlung durchlaufen hat. Was deine Eltern früher noch Nachschulung nannten, wurde nach den 80ern für lange Zeit als Aufbauseminar bezeichnet. So ziemlich genau bis zum 1. Mai 2014. Denn seitdem gibt es nun nicht nur eine Reihe neuer Vokabeln, sondern im gleichen Zuge noch einen neuen Punktekatalog.

Das "Fahreignungsseminar" (FES) ist das neue Aufbauseminar und dieses befindet sich im Verkehrszentralregister, welches seit dem 1. Mai den Namen "Fahreignungsregister" (FAER) trägt. Das einzige, was geblieben ist, ist der Ort, denn die Punktesammelstelle befindet sich immer noch in Flensburg. Jedoch musst du nicht extra nach Flensburg fahren, um deine Punkte wieder abzubauen, sondern dafür gibt es speziell ausgebildete und zugelassene Fahrschulen.

Zu den großen Neuheiten gehört vor allem der reduzierte Punktekatalog und im gleichen Zuge aber auch die geringeren Möglichkeiten für den Punkteabbau.

Früher, also bis zum 30. April 2014, hieß es bei 18 Punkten für alle Autofahrer "full house". Die Konsequenz: Führerschein weg und der langwierige Punkteabbau stand an. Die entzogene Fahrerlaubnis konnte man nach frühestens sechs Monaten wieder erhalten und musste dafür auch eine MPU, eine medizinisch-psychologische Untersuchung, über sich ergehen lassen – dies bleibt auch nach dem 1. Mai 2014 so.

Neu: Das gesamte Fahreignungsbewertungssystem besteht nun aus weniger Punkten und somit gelten auch andere Spielregeln: Heute verliert man schon ab 8 Punkten den Führerschein. Im Gegensatz zum alten Regelkodex kann man pro Verstoß maximal 3 Punkte kassieren (bisher 7 Punkte), jedoch werden auch nur noch Punkte vergeben, wenn wirklich die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird.

Wie ist das gemeint? Hier ein einfaches Beispiel: Bisher gab es im alten Punktesystem für das Befahren einer Umweltzone ohne Plakette gleich einen Punkt in Flensburg. Bei der Neuregelung wird es für dieses Vergehen keinen Punkt mehr geben, da du damit nicht mehr die Verkehrssicherheit beeinträchtigst. Durch die Umstellung haben dann manche Autofahrer das Glück, dass ihre "alten" Punkte, die ab heute nicht mehr die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, wegfallen und sich das Punktekonto damit reduziert.

Alles wird also angenehmer? Nicht ganz! Denn ab nun werden zwar weniger Punkte verteilt, dafür erhöhen sich aber die Bußgelder.

Bußgelder im neuen Punktesystem
Da es nun weniger Fälle gibt, bei denen man Punkte kassieren kann, erhöhen sich leider jedoch die Bußgelder für folgende Delikte:
 

Delikt Vorher Jetzt
     
Handy am Steuer 40 € 60 €
Winterreifenpflicht missachtet  40 € 60 €
Kindersicherungspflicht missachtet 40 € 60 € (bei Gefährdung 70 €) 
Zeichen eines Polizeibeamten nicht befolgt 50 € 70 €
Fußgängergefährdung 40 € 60 €
Fahren ohne Zulassung 50 € 70 €
Fahren ohne Begleitung als 17jähriger 50 € 70 €
Fehlende Plakette in Umweltzone 40 € 80 €
Fehlendes Kennzeichen 40 € 60 €
Kennzeichen abgedeckt 50 € 65 €
Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw 380 € 570 €

Wann drohen Punkte?
Schwere Verstöße, wie zum Beispiel die Vorfahrt missachten oder die Geschwindigkeit mit über 20 km/h überschreiten, werden in Zukunft mit einem Punkt bestraft. Besonders schwere Verstöße, wie zum Beispiel Trunkenheit am Steuer oder die Teilnahme an Autorennen, mit zwei und, wenn du zum Beispiel im Vollrausch Auto fährst oder Fahrerflucht begehst, dann gibt es sogar drei Punkte.

Punkte und ihre Konsequenzen

Bei 1-3 Punkten: keine, Fahrer wird vorgemerkt (Vormerkung ist nicht gebührenpflichtig)

Bei 4-5 Punkten: Ermahnung (gebührenpflichtig) und die Möglichkeit an einem freiwilligen Fahreignungsseminar teilzunehmen, um das Konto um einen Punkt zu reduzieren.

Bei 6-7 Punkten: Verwarnung (gebührenpflichtig) und die Möglichkeit an einem freiwilligen Fahreignungsseminar teilzunehmen. Kein Punkte-Abbau möglich.

Bei 8 Punkten: Einzug des Führerscheins für mindestens sechs Monate

Verjährungsfristen
Die neuen Verjährungsfristen (gültig ab 1. Mai 2014) sehen wie folgt aus:

Ordnungswidrigkeit mit einem Punkt: 2,5 Jahre
Ordnungswidrigkeiten mit zwei Punkten: 5 Jahre
Straftaten mit zwei Punkten (ohne Einzug des Führerscheins): 5 Jahre
Straftaten mit drei Punkten und Einzug des Führerscheins: 10 Jahre

Kosten für Aufbauseminar
Die Kosten für ein Aufbauseminar bzw. das neu-benannte Fahreignungsseminar können ganz unterschiedlich ausfallen. Je nach Delikt und Intensität des Seminars kann die Preisspanne zwischen 150 € und 400 € liegen. Und leider muss jeder Teilnehmer alleine dafür aufkommen.

Achtung: Die Teilnahme am Fahreignungsseminar kann nur alle fünf Jahre erfolgen. Wer sich anschließend in diesem Zeitraum weitere, gravierende Verkehrsverstöße leistet, muss mit Führerscheinentzug rechnen.

Umrechnung von alt auf neu
Durch eine blöde Situation hast du schon ein paar Punkte auf deinem Konto und möchtest jetzt gerne wissen, wie sich diese auf das neue System auswirken? Dann bekommst du hier einen Überblick:

1-3 Punkte werden zu einem Punkt im neuen Fahreignungsbewertungssystem.
4-5 Punkte zu zwei Punkten.
6-7 Punkte zu drei Punkten.
8-10 Punkte zu vier Punkten.
11-13 Punkte zu fünf Punkten.
14-15 Punkte zu sechs Punkten.
16-17 Punkte zu sieben Punkten.
18 und mehr Punkte zu acht Punkten.

Achtung: Durch die andere Bewertung, von der Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit (siehe oben), können Punkte auch komplett wegfallen. Für eine genaue Auskunft einfach unten weiterlesen.

Wie sieht mein Punktestand aus?
Du hast in der Vergangenheit leider Punkte kassiert, möchtest nun aber gerne wissen, wie nach dem neuen Punktesystem der Stand der Dinge ist? Dann erhältst du beim Verkehrszentralregister ganz einfach und kostenlos Auskunft. Aus Gründen des Datenschutzes müssen dafür aber bestimmte Formalitäten eingehalten werden. Dazu gehört unter anderem, dass du den Antrag nur per Post und nicht per Telefon oder Fax erfragen kannst. Neben den Angaben deiner persönlichen Daten ist auch ein Identitätsnachweis erforderlich, den du entweder durch die Kopie deines Ausweises/Reisepasses oder mit amtlich beglaubigter Unterschrift leisten kannst. Für alle, die schon einen Personalausweis mit Online-Abfrage besitzen, kann der Antrag auch über ein Kartelesegerät samt entsprechender Software gestellt werden. Die Auskunft erfolgt meist schon nach wenigen Tagen per Post.

Du bist noch in der Probezeit?
In unserem Artikel "Probezeit" findest du die wichtigsten Fakten und Konsequenzen bei Verstößen innerhalb der Probezeit.

Hat dir dieser Artikel weitergeholfen? Dann klicke auf Gefällt mir: